20 Jahre Silvius Magnago-Stiftung

Gedenkrede von Rosa Franzelin-Werth, Präsidentin der Stiftung, am 27.10.2011 im Merkantilgebäude in Bozen

Verehrte Ehrengäste
Verehrte Mitglieder des Freundeskreises der Universität Innsbruck
Hochgeschätzter Referent des heutigen Abends Prof. Dr. Tilmann Märk
Geschätzte Mitglieder des Kuratoriums der Silvius Magnago-Stiftung.

Mein Damen und Herren
auch ich möchte Sie alle und jeden einzelnen namens des Kuratoriums der Sivius Magnago-Stiftung aufs herzlichste begrüßen und willkommen heißen.

Am 30. September ist die Silvius Magnago Stiftung 20 Jahre alt geworden, da sie am 30. September 1991 von Dr. Silvius Magnago notariell gegründet wurde. Dies wollen wir heute zum Anlass nehmen, des großherzigen Stifters Alt-Landeshauptmann und S.V.P. Ehrenobmannes Dr. Silvius Magnago, der am 25. Mai 2010 – 96 jährig verstorben ist, zu gedenken und die Stiftung auch der Öffentlichkeit vorzustellen. Dankbar verneigen wir uns vor diesem großen Mann und edlen Förderer der Landesuniversität Innsbruck. „Für ihn war die Landesuniversität nicht nur ein leichtfertiges Lippenbekenntnis, sondern zeitlebens ein über die reine Tagespolitik hinausgehendes Herzensanliegen. Sein aufrichtiges Bekenntnis zur Landesuniversität fand seinen Niederschlag in der Silvius Magnago-Stiftung und damit hat der Freundeskreis seinen edelsten Förderer gefunden.“ Mit diesen Worten unterstrich dies der Freundeskreis in seiner Broschüre zum 10-jährigen Bestehen.

Meine Damen und Herren

Das Gründungsstatut der Stiftung sieht im Art.5 vor, dass die Stiftung von einem aus 5 Personen bestehenden Stiftungskuratorium verwaltet wird. Der Präsident der Stiftung bleibt bis zu seinem Ableben Dr. Silvius Magnago. Die weiteren vier Mitglieder des Kuratoriums waren bei der Gründung:

             Dr. Roland Riz

             Rosa Franzelin-Werth

             Dr. Anton Zelger

             Dr. Christoph Amonn.

Als Dr. Christoph Amonn verstarb, ernannte Dr. Magnago am 7. November 2003 Dr. Marjan Cescutti zum neuen Kuratoriumsmitglied. Der Präsident der Stiftung Dr. Magnago verstarb am 25. Mai 2010. Infolge oblag es laut Statut dem ältesten Kuratoriumsmitglied eine Sitzung einzuberufen um den neuen Präsidenten zu wählen.

Da im Jänner 2008 auch Dr. Anton Zelger verstorben war und in der Zwischenzeit nicht ersetzt wurde, waren zwei Mitglieder zu ersetzen.

Nach dem Ableben von Dr. Amonn, dem vom Stifter die Veranlagung des Stiftungsvermögens übertragen war, beauftragte Dr. Magnago mit Datum 20.09.1998 Rag. Walter Seidner mit der Finanzgebarung. Demzufolge war es sicher im Sinne des Stifters Rag. Walter Seidner als Mitglied in das Stiftungskuratoriums als Ersatz für Dr. Anton Zelger zu wählen. Herr Rag. Seidner hat sich seit damals ehrenamtlich und ohne Verrechnung von Spesen um die gesamte Finanzgebarung der Stiftung gekümmert und sich umsichtig und mit Kompetenz um die Veranlagung bemüht, so dass auch in turbulenten Zeiten auf dem Finanzmarkt das Stiftungskapital erhalten werden konnte. Dafür gebührt ihm unser aller besonderer Dank.

Da weiters die Stiftung laut Statut eng mit dem „Freundeskreis für die Universität Innsbruck“ verbunden ist, nachdem ihm die Entscheidung, welche Personen für die Förderung in Frage kommen, nach Einholung der Stellungsnahme des Kuratoriums übertragen wurde, war es naheliegend Dr. Otto Mahlknecht, den derzeitigen Präsidenten des Freundeskreises als fünftes Kuratoriumsmitglied aufzunehmen bzw. zu wählen.

Um das Kuratorium wieder voll handlungsfähig zu machen,  wurde am 20. Dezember 2010 Rosa Franzelin als eines im Gründungsstatut aufscheinenden Mitgliedes des Kuratoriums zur Präsidentin gewählt, nachdem Dr. Roland Riz dafür nicht zur Verfügung stand.

Die Tätigkeit der Stiftungsmitglieder ist ehrenamtlich.

Die Stiftung hat ausschließlich den gemeinnützigen Zweck aus den Erträgen der verzinslichen Veranlagung finanzielle Förderungen zu gewähren. Diese wird abwechslungsweise einem Südtiroler Assistenten, der der deutschen oder der ladinischen Volkgruppe angehört und einmal einem Assistenten oder Assistentin aus Nord-oder Osttirol an der Universität Innsbruck gewährt.

Bei der Auswahl müssen sowohl die Leistung, als auch die Bedürftigkeit berücksichtigt werden. Bei der Gründung der Stiftung dotierte Dr. Silvius Magnago diese mit 400 Millionen Lire (206.582,75 €) und legte im darauffolgenden Jahr noch weitere 100 Millionen Lire (51.652,90 €) dazu.

Am 4. Oktober 2011 verfügte die Stiftung über 344.410,.26 € nachdem sie bis zum heutigen Tag 118.027,23 € an Förderungen aus den Stiftungserträgen an Stipendiaten ausgegeben hat.

Klaus Brandstätter, Innsbruck (1991-1993) Er war der erste Stipendiat der von Dr. Silvius Magnago zur Förderung begabter Jungakademiker aus ganz Tirol ins Leben gerufenen Stifung.

Er schloss im Mai 1993 sein Studium mit einer Dissertation über die Geschichte der Stadt Trient im 15. Jh. ab. Seit seiner Habilitation gilt Klaus Brandstätter, der inzwischen Universitätsprofessor geworden ist, als Fachmann für die Tiroler Geschichte des Mittelalters.

Dietrich Thaler, Sterzing (1994-1997)

Assistent am Forschungsinstitut für alpenländische Land- und Forstwirtschaft. Als solcher hat er die Drucklegung des dritten und letzten Bandes des Bergbauernbuches von Hermann Wopfner vorbereitet. Seine Dissertation gilt der Wirtschaftsgesichte des Wipptales. Seit mehreren Jahren ist Dr. Thaler in der Wirtschaft tätig.

Ingeborg Lechner, Innsbruck (1998-2002)

Ihr wurde ein Pivatangestelltenverhältnis am Institut für Geografie an der Universität Innsbruck bezahlt.Sie arbeitete erfolgreich an eine Atlas der Europaregin Tirol/Südtirol-Trentino bzw. an einer Neukonzeption des bisherigen Tirol-Atlas. Im einzelnen erforschte sie den sozioökonomischen Wandel am Beispiel der Europaregion Tirol.

Andreas Zischg, Meran (2002-2004)

Er erarbeitet eine Dissertation zum Thema Risikomanagement und Risikokommunikation am Institut für Geografie. Es ging dabei im Wesentlichen um die Erforschung des Systemverhaltens von Schneelawinen.

Stefan Oberrauch, Brixen (2004-2006)

Er arbeitete an einem Forschungsprojekt mit dem Titel „Minderheitenschutz in der europäischen Union. Möglichkeiten und Grenzen des Schutzes ethnischer Minderheiten am Beispiel Südtirol“. Gleichzeitig arbeitete er als Assistent am Institut für Völkerrecht, Europarecht und internationale Beziehungen der Universität Innsbruck.

Christoph von Ach, Bozen (2006)

Er wurde durch ein Forschungsstipendium zur Realisierung seiner Dissertation zum Thema „Ethnische Gewerkschaften und ihre Rechtsstellung in Italien“ gefördert, Seine Arbeit wurde am Institut für Öffentliches Recht, Finanzrecht und Politikwissenshaft von Univ.-Prov. Dr. Roland Riz begleitet.

Unter der neuen Führung wurden 2011 – zwei Halbjahresstipendien vergeben und zwar eines an Michael Chizzali, Brixen, vom Institut für Musikwissenschaft, welcher die Dissertation über „Das weltliche Musikschaffen des Komponisten Prof. Josef Gasser, der in Neustift 1957 starb, schreibt und eines für Manuel Pramsohler, der im Bereich „Botanik“ das Thema „Winterschäden an Südtiroler Apfelbäumen“ behandelt.
 
Für 2012 wurde auch schon der zu Fördernde festgelegt. Das Stipendium soll an:
Michael SPAN, Innsbruck gehen. Er soll zur Erlangung des Doktorgrades für Geschichtswissenschaften ein Jahresstipendium erhalten. Der Arbeitstitel seiner Dissertation lautet: „Ländliche Eliten in Tirol um 1809 – am Beispiel des Michael Pfurtscheller aus Fulpmes im Stubaital.“

Dr. Magnago, der selbst Ehrensenator der Innsbrucker Universität war, meinte bei der Gründung der Stiftung, dass er nach reiflicher Überlegung beschlossen habe, einen Großteil seiner Ersparnisse dem guten Zweck der Förderung von Jungakademikern aus ganz Tirol zuzuführen. Er wolle damit begabten sowie bedürftigen Assistenten eine fachliche Weiterbildung bzw. Universitätslaufbahn an der Tiroler Landesuniversität ermöglichen.

Gleichzeitig gab Dr. Magnago seiner Hoffnung Ausdruck, dass in diese Stiftung zukünftig weitere Gelder und Schenkungen von Personen, denen der Zweck der Stiftung ebenso ein Anliegen ist, fließen mögen.

Dieser Hoffnung möchte auch ich im Namen des Kuratoriums heute erneut Ausdruck verleihen und diese Veranstaltung auch dafür benutzen um im Sinne des Gründers dafür zu werben, dass das Beispiel von Dr. Magnago Nachahmung finden möge und um Spenden bitten.

Trotz unserer freien Universität in Bozen, die nunmehr schon über 10 Jahre alt ist, hat die Universität Innsbruck aufgrund ihrer historischen Tradition und ihrer natürlichen Beziehungen und Bindungen zu den drei Landesteilen Tirols den Anspruch „Landesuniversität“ für Nord-Süd- und Osttirol zu sein.

Wer eine Karriere als Forscher oder Forscherin anstrebt findet an der Uni Innsbruck optimale Bedingungen. Der heute hier anwesende geschäftsführende Rektor und Vizerektor für Forschung an der Uni Innsbruck Prof. Dr. Tilmann Märk, auf dessen Vortrag wir schon alle sehr gespannt sind, erklärte anlässlich der Preisverleihung für das von der Uni Innsbruck entwickelte Modell der Nachwuchsförderung u.a. „Es ist für jede gesellschaftliche Gruppe von zentraler Bedeutung den Nachwuchs zu fördern, denn: ohne Nachwuchs keine Zukunft“. Ebenso sagte er: „Auf dem Weg zur Wissensgesellschaft müssen optimale Bedingungen geschaffen werden, damit es für die besten Köpfe attraktiv ist, eine Karriere als Wissenschaftler oder Wissenschaftlerin zu durchlaufen“. Gerade dies wollte Dr. Magnago in seiner Weitsicht mit dem Stiftungszweck erreichen, nämlich dass auch bedürftigen, jedoch begabten jungen Menschen der Weg zum Wissenschaftler nicht verschlossen bleibt.

Meine Damen und Herren

Dr. Silvius Magnago lebt nicht nur durch seine großen Verdienste um die Autonomie Südtirols weiter, sondern auch durch diese seine Stiftung. Er soll uns auch Mahner bleiben, die Uni Innsbruck stets als unsere Landesuniversität anzusehen.

Wir wollen Dr. Magnago ein ehrendes Andenken bewahren.
Darf ich Sie bitten sich kurz von den Sitzen zu erheben und in einer Minute des Schweigens seiner in Dankbarkeit zu gedenken.

- Danke -

Bozen, am 27. Oktober 2011